Laut einer vertraulichen Untersuchungszusammenfassung, die der Washington Free Beacon erhalten hat, hat das Office of Inspector General (OIG) der United States Agency for International Development (USAID) festgestellt, dass ein Mann namens Faisal Ali Al‑Naami, der bei dem Hamas‑Angriff am 7. Oktober dabei gefilmt wurde, wie er einen toten israelischen Zivilisten in den Kofferraum eines Fahrzeugs legte, gleichzeitig bei der United Nations Relief and Works Agency (UNRWA) beschäftigt war und als Hamas‑„Militärkommunikations"-Operative fungierte.
Das Video, das von Überwachungskameras im Kibbutz Be'eri aufgenommen wurde, zeigt Al‑Naami und einen bewaffneten Komplizen, wie sie die Leiche des 21‑jährigen Yonatan Samerano in einen SUV laden, bevor sie den Ort verlassen. Die israelischen Behörden nannten Al‑Naami im Februar 2024 öffentlich, nachdem sie eine Liste von mindestens einem Dutzend UNRWA‑Mitarbeitern veröffentlicht hatten, die ihrer Aussage nach an den Angriffen vom 7. Oktober beteiligt waren. israelische Geheimdienstmitarbeiter bezeichneten die Personen als „aktive Teilnehmer" und nicht als periphere Zeugen.
Der Bericht des Free Beacon besagt, dass das USAID‑OIG die israelischen Behauptungen eigenständig durch eigene Beweiserhebungen verifiziert habe, die laut Bericht „nicht‑öffentliche Ermittlungsunterlagen" umfassen. Das OIG habe demnach festgestellt, dass Al‑Naami nicht nur ein Zuschauer, sondern ein Operative war, der bei der Koordination der Tötungen half. Die Behörde habe zudem mehr als 100 aktuelle oder ehemalige UNRWA‑Mitarbeiter mit Hamas‑Aktivitäten in Verbindung gebracht, darunter drei noch lebende Lehrkräfte, die angeblich israelische Geiseln genommen hatten.
In einer Erklärung gegenüber dem Free Beacon bezeichnete ein hochrangiger Beamter des Außenministeriums die OIG‑Ergebnisse als „eine bedeutende Entwicklung, die das Ausmaß der Hamas‑Infiltration in einer großen humanitären Organisation verdeutlicht". Der Beamte fügte hinzu, dass das Außenministerium die OIG‑Weiterleitungen prüfe, was zu einem zehnjährigen Verbot von US‑Entwicklungshilfen für die genannten Personen führen könnte.
Die Vereinten Nationen, die UNRWA beaufsichtigen, haben noch keine öffentliche Reaktion auf die angeblichen OIG‑Schlussfolgerungen veröffentlicht. Im Juli 2024 stellte eine von den UN durchgeführte interne Überprüfung fest, dass die von Israel vorgelegten Beweise „nur dann Schuld beweisen könnten, wenn sie authentifiziert und unabhängig bestätigt würden", ein Standard, der laut UN bislang nicht erfüllt sei. Die UN‑eigene Untersuchung hat bisher noch keinen UNRWA‑Mitarbeiter als Terroristen bezeichnet.
UNRWA, 1949 gegründet, bietet Bildung, Gesundheitsversorgung und Nahrungsmittelhilfe für etwa 1,5 Million palästinensische Flüchtlinge in Gaza, dem Westjordanland, Jordanien, Libanon und Syrien. Die Agentur erhält jährlich rund 400 Millionen US‑Dollar von Geberländern, darunter die Vereinigten Staaten, die im Haushaltsjahr 2023 etwa 60 Millionen US‑Dollar beitrugen. Kanada stellt ebenfalls mehrere Millionen Dollar pro Jahr für UNRWA‑Projekte bereit.
Die Vorwürfe gegen UNRWA‑Mitarbeiter haben die politische Debatte, die bereits während der Trump‑Administration begann, weiter angeheizt. Im Jahr 2021 forderten hochrangige Beamte der damaligen Regierung, die Agentur als ausländische Terrororganisation zu bezeichnen und ihre Finanzierung zu beenden. Obwohl die Administration UNRWA letztlich nicht als terroristische Einheit einstufte, wies sie das Außenministerium an, neue Mittel bis zu einer Überprüfung auszusetzen.
Seitdem haben mehrere Kongressabgeordnete Gesetzesentwürfe eingebracht, um UNRWA entweder die US‑Hilfe zu entziehen oder die Agentur auf eine schwarze Liste zu setzen, die ihr jegliche amerikanische Unterstützung verwehrt. Befürworter argumentieren, dass die Präsenz von Hamas‑Operativen innerhalb von UNRWA die Sicherheit von Helfern und die Integrität der US‑Steuergelder gefährde. Kritiker entgegnen, dass ein Kürzen der Mittel das humanitäre Leid der palästinensischen Zivilbevölkerung verschärfe, von der viele auf die Grundversorgung durch UNRWA angewiesen sind.
Kanada führt eine parallele Diskussion. Anfang 2024 debattierte das kanadische Parlament einen Antrag, seine Beiträge zu UNRWA bis zu einer gründlichen Prüfung auszusetzen. Obwohl der Antrag nicht angenommen wurde, löste er eine Überprüfung durch Global Affairs Canada aus, die nun die OIG‑Ergebnisse zusammen mit eigenen Geheimdienstinformationen bewertet. Kanadische Beamte betonten die Notwendigkeit „robuster Schutzmaßnahmen", um sicherzustellen, dass Hilfe nicht an extremistische Gruppen fließt.
Die angeblichen Weiterleitungen des OIG an das Außenministerium werfen zudem die Möglichkeit strafrechtlicher Ermittlungen auf. Der Bericht, wie vom Free Beacon beschrieben, deutet an, dass die Behörde weitere Fälle an das Justizministerium zur möglichen Verfolgung nach US‑Anti‑Terror‑Gesetzen weiterleiten könnte. Sollte dies geschehen, könnte es einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie US‑Recht mit humanitären Helfern umgeht, die gleichzeitig Mitglied ausgewiesener Terrororganisationen sind.
Humanitäre Experten warnen, dass ein abruptes Ende der UNRWA‑Finanzierung ein Vakuum im bereits fragilen Dienstleistungsnetzwerk Gazas schaffen könnte. „UNRWA betreibt Schulen, Kliniken und Lebensmittelverteilungsstellen, die die Schwächsten erreichen", sagte ein leitender Analyst des International Rescue Committee, der anonym bleiben wollte. „Wenn diese Programme zusammenbrechen, könnten die humanitären Kosten gravierend sein." Der Analyst wies darauf hin, dass alternative NGOs Zeit und Mittel benötigen würden, um die Lücke zu schließen, und dass jede Übergangsphase eine Koordination mit sowohl israelischen als auch palästinensischen Behörden erfordere.
Aus rechtlicher Sicht hat die USA nur begrenzte Befugnisse, eine UN‑Organisation als Terrororganisation zu bezeichnen. Eine solche Einstufung würde eine Feststellung des Außenministeriums nach dem International Emergency Economic Powers Act erfordern, gefolgt von einer Zustimmung des Kongresses. Das Verfahren ist langwierig und wurde bislang nie auf ein UN‑Gremium angewendet.
In der Zwischenzeit erklärt das USAID‑OIG, dass die Untersuchung noch andauere und die Zahl der UNRWA‑Mitarbeiter, die geprüft werden, auf über 1.500 gestiegen sei. Der Auftrag der Behörde, wie in ihrer Satzung festgelegt, umfasst die „Sicherstellung, dass von den USA finanzierte Hilfe nicht in die Hände ausländischer Terrororganisationen gelangt". Das OIG‑Büro hebt seine „globale Aufsichtskapazität" als Instrument hervor, um die Wiederverbreitung extremistischer Akteure in Hilfsnetzwerken zu verhindern.
Der Sprecher des Außenministeriums, Tommy Pigott, erklärte dem Free Beacon die Haltung der Administration: „Präsident Trump und Außenminister Rubio haben bestätigt, dass keine Mittel des Außenministeriums an UNRWA fließen, solange glaubwürdige Beweise für eine Hamas‑Infiltration vorliegen." Pigott fügte hinzu, dass das Ministerium „alle Weiterleitungen prüfe" und im Einklang mit US‑Recht und -Politik handeln werde.
Während die Untersuchung weitergeht, müssen sowohl US‑ als auch kanadische Entscheidungsträger Sicherheitsbedenken mit dem humanitären Imperativ, die Grundversorgung in Gaza aufrechtzuerhalten, in Einklang bringen. Das Ergebnis könnte die Art und Weise verändern, wie westliche Regierungen das Personal großer multilateraler Hilfsorganisationen prüfen und überwachen, und zukünftige Finanzierungsentscheidungen für UNRWA und ähnliche Einrichtungen beeinflussen.
Vorerst bleiben die, wie berichtet, vom USAID‑OIG vorgelegten Ergebnisse unverifiziert, da sie nicht öffentlich zugänglich gemacht wurden. Beobachter bemerken, dass das Fehlen eines öffentlich verfügbaren Berichts die Bewertung der Beweiskraft erschwere. Dennoch haben die Vorwürfe bereits Gesetzesvorschläge, diplomatische Überprüfungen und eine erneute Prüfung der humanitären Hilfslieferungen in Konfliktgebieten ausgelöst.
