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Stanford‑Wissenschaftler warnt: China könnte Taiwan blutfrei übernehmen

Ein Stanford‑Forscher warnt, dass Peking Taiwan möglicherweise durch Blockade, Bombardement oder wirtschaftlichen Druck ohne militärische Gewalt übernehmen will.

Von Michael Turner··
Stanford‑Wissenschaftler warnt: China könnte Taiwan blutfrei übernehmen

Taiwan ist zum Brennpunkt einer drohenden Großmachtkonfrontation zwischen den USA und China geworden, ein Konflikt, der tiefgreifende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft und die diplomatische Ordnung hätte.

Eyck Freymann, Hoover‑Stipendiat an der Stanford University und Autor des gerade erschienenen Buches Defending Taiwan: A Strategy to Prevent War with China, argumentiert, dass die herkömmliche Erwartung eines amphibischen Angriffs der Volksbefreiungsarmee fehl am Platz sein könnte. Während Präsident Xi Jinping öffentlich die PLA aufgefordert hat, bis 2027 bereit zu sein, die Insel zu erobern, vermutet Freymann, dass Peking eher eine Strategie verfolgen wird, die das eigene Risiko minimiert.

Jenseits einer direkten Invasion

In seiner Forschung untersucht Freymann drei grobe Szenarien: eine umfassende Blockade, ein intensives Bombardement und einen subtileren Ansatz, der auf wirtschaftlichen und industriellen Hebelwirkungen beruht. Er argumentiert, dass Letzteres am wahrscheinlichsten sei und weist darauf hin, dass Xi Taiwan „gratis" übernehmen und „intakt" halten wolle, und zwar mittels sogenannter Gray‑Zone‑Maßnahmen und Druck.

Chinas wachsende Bereitschaft, seine wirtschaftliche Macht einzusetzen, multinationale Unternehmen und schließlich souveräne Staaten zu zwingen, seinen Ansprüchen nachzugeben, könnte die Entscheidung für chinesische Wirtschaftsgewinne gegenüber Taiwans begehrtem Halbleitersektor und seiner Infrastruktur für viele Akteure unwiderstehlich machen.

Folgen für die USA und ihre Partner

Sollte Peking seine Ziele durchsetzen, würden Washington und seine Verbündeten wahrscheinlich gezwungen sein, die Verteidigungsausgaben drastisch zu erhöhen, um einer erweiterten chinesischen Einflusssphäre entgegenzuwirken. Der strategische Wert der Insel wird durch General Douglas MacArthurs Beschreibung Taiwans als „unversenkbarer Flugzeugträger" unterstrichen, ein Ausdruck, der ihre zentrale Rolle in der regionalen Sicherheit verdeutlicht.

Freymann warnt, dass die USA umfassende Pläne für jedes erdenkliche Szenario entwickeln und unmissverständlich vermitteln müssen, dass jede Form von Zwang mit harten Konsequenzen beantwortet wird. Das Ziel sei, so erklärt er, nicht nur einen Krieg abzuschrecken, sondern eine Krise gänzlich zu verhindern.

Was das neue Buch bietet

Das Werk stützt sich auf historische Fallstudien und Gegenbeispiele, um zu zeigen, wie sich Pekings Taktiken entfalten könnten. Während die Analyse manchen, die eine massive PLA‑Invasion befürchten, ein gewisses Maß an Beruhigung geben mag, betont Freymann, dass die Folgen weiterhin gravierend bleiben würden. Selbst ohne groß angelegte Kämpfe würde China die Vorherrschaft über eine Region erlangen, die den Großteil des globalen Bruttoinlandsprodukts erzeugt.

Erstmals von einem Nachrichtendienst gemeldet, dient das Buch als rechtzeitige Mahnung, dass das Verständnis von Chinas strategischem Werkzeugkasten für die USA und ihre Partner unverzichtbar ist, während sie sich in einer sich verschärfenden Großmachtrivalität zurechtfinden.