Nach der US-Präsidentschaftswahl 2020 warnte ein von 51 ehemaligen hochrangigen Beamten der US-Nachrichtendienste unterzeichnetes Schreiben, dass die aus Hunter Bidens Laptop wiederhergestellten E‑Mails „alle klassischen Merkmale einer russischen Desinformationsoperation" aufwiesen. Spätere Überprüfungen bestätigten die Authentizität des Laptop-Inhalts, was zu einer erneuten Prüfung der Motive und Glaubwürdigkeit der Unterzeichner führte.
Im neuen Handbuch zur russischen Spionage
Der pensionierte CIA-Offizier Sean Wiswesser, der drei Jahrzehnte mit Spezialisierung auf Russland verbrachte, hat Tradecraft, Tactics, and Dirty Tricks: Russian Intelligence and Putin's Secret War veröffentlicht. Das Werk versteht sich eher als Nachschlagehandbuch denn als Spionage-Thriller und bietet einen systematischen Überblick über die Aktivitäten russischer Geheimdienste vom Kalten Krieg bis heute.
Wiswesser nutzt seine eigene Erfahrung, um die Ausbildung, Methoden und Ziele der russischen Dienste zu schildern. Er argumentiert, dass die russischen Geheimdienste an vorderster Front dessen stehen, was ihre Strategen als „Non-Contact-War" gegen die Vereinigten Staaten und den weiteren Westen bezeichnen, und dabei auf verdeckte Fähigkeiten setzen, um politische und strategische Ziele zu erreichen.
Putins Abhängigkeit von der Spionagemaschine
Vladimir Putin, ein 16-jähriger Veteran des KGB und späterer Leiter seiner Nachfolgebehörde, wird als ein Führer dargestellt, der öffentlich das Personal der russischen Geheimdienste bewundert und stark auf deren Einschätzungen vertraut. Diese Abhängigkeit, so Wiswesser, trug zu strategischen Fehlentscheidungen bei, etwa zur Invasion der Ukraine 2022, die auf fehlerhafter Aufklärung und unrealistischen Erwartungen basierte.
Stärken, Schwächen und Chancen
Das Handbuch kombiniert Lob für die beeindruckenden Fähigkeiten der russischen Dienste mit einer offenen Bewertung ihrer systemischen Schwächen. Korruption, Arroganz und undiszipliniertes Handwerk werden als wiederkehrende Probleme benannt, die den US-Behörden Ansatzpunkte bieten, Operationen zu kontern und Überläufer zu rekrutieren.
Wiswessers Analyse betont, dass die russischen Geheimdienste trotz dieser Verwundbarkeiten weiterhin eine erhebliche Bedrohung darstellen. Er unterstreicht die Notwendigkeit, die Öffentlichkeit über den verdeckten Krieg, den russische Agenturen und ihre Regierung gegen den Westen führen, zu informieren.
Reaktionen der USA und ihrer Verbündeten
Die US-Nachrichtendienste, bestehend aus CIA, FBI und NSA, blicken auf eine lange Geschichte der Auseinandersetzung mit russischer Spionage zurück, die bis in den Kalten Krieg reicht. Russische Agenten passen sich weiterhin an, nutzen ausgefeilte Technologien, erfundene Identitäten und aufwändige Tarnidentitäten, um sich in Zielgesellschaften einzufügen.
Ein bemerkenswerter Erfolg gelang 2018, als das US-Justizministerium 13 russische Staatsangehörige und drei russische Unternehmen wegen Einmischung in die Präsidentschaftswahl 2016 anklagte. Die Anklagen deckten ein Netzwerk verdeckter Aktivitäten auf und stellten einen schweren Rückschlag für Moskaus Einflussoperationen dar.
Folgen für Nordamerika
Für Leser in den USA und Kanada verdeutlichen die Buchergebnisse die Notwendigkeit kontinuierlicher Investitionen in Aufklärung, Analyse und internationale Zusammenarbeit. Das Bewusstsein über russische Taktiken, von Desinformation bis Spionage, wird als Grundvoraussetzung zum Schutz der nationalen Sicherheit dargestellt.
Wiswessers Werk, das fest in seiner Loyalität zu seinem ehemaligen Arbeitgeber und Land verankert ist, erinnert daran, dass der nicht erklärte Konflikt zwischen westlichen Demokratien und den russischen Geheimdiensten weiter besteht. Das Handbuch wird als wertvolle Ressource für alle präsentiert, die ein differenziertes Verständnis von Spionage, ihrer historischen Entwicklung und den heutigen Herausforderungen suchen.
Fazit
„Tradecraft, Tactics, and Dirty Tricks" vertieft die Debatte über die US‑Russland‑Beziehungen und die Rolle von Geheimdiensten in der internationalen Politik. Indem er sowohl die Fähigkeiten als auch die Defizite der russischen Spionagedienste kartiert, plädiert Wiswesser für anhaltende Wachsamkeit, engere Zusammenarbeit der verbündeten Behörden und eine informierte Öffentlichkeit als beste Abwehr gegen eine sich ständig wandelnde Bedrohung.
