Politico gab am Sonntag bekannt, dass der Playbook‑Newsletter künftig von drei amerikanischen Journalisten, Adam Wren, Dasha Burns und Will Steakin, geleitet wird, nachdem der britische Managing Editor Jack Blanchard das Haus verlassen hat. Die Umstellung folgt auf eine Amtszeit, die von einer Reihe faktischer Fehltritte und analytischer Fehlurteile geprägt war und breite Kritik hervorrief.
Blanchards problematische Amtszeit
Während seiner Zeit als Managing Editor und Hauptautor verwechselte Blanchard den Titel des Mehrheitsführers im Senat, Chuck Schumer, schrieb den Namen des Singer‑Songwriters Billy Ray Cyrus falsch und bezeichnete die Spielfläche des Super Bowl fälschlich als „Pitch". Der auffälligste Fehler war, dass er keinerlei Hinweis auf Franklin D. Roosevelt erwähnte, obwohl er behauptete, Präsident Donald Trumps „wirkungsvoller Start" in seine zweite Amtszeit sei in der Geschichte der Vereinigten Staaten beispiellos.
Der Vox‑Reporter Zack Beauchamp fasste die Reaktion zusammen und bemerkte ein „durchgängiges Muster kolossaler Fehler und (noch schlimmer) mangelhafter Analysen". Die Kritik veranlasste die leitenden Redakteure von Politico, einen Nachfolgeplan zu entwerfen, wobei sie anerkannten, dass Blanchards Amtszeit „aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert hat".
Neues Redaktionsteam
Adam Wren, von Politico als Spezialist für das „Entschlüsseln, wie Macht in der amerikanischen Politik funktioniert" beschrieben, tritt dem Playbook nach einer Laufbahn in der Berichterstattung über Landes‑ und Bundespolitik bei. Sein Profil aus dem Jahr 2023 über den texanischen Abgeordneten James Talarico trug dazu bei, das Ansehen des Gesetzgebers vor seiner Kandidatur für den Senat zu steigern.
Dasha Burns wird für ihr „tiefes Sourcing" gelobt und hat Interviews mit Persönlichkeiten wie Abdul El‑Sayed, dem demokratischen Senatskandidaten aus Michigan, geführt. Will Steakin, Absolvent der Politikwissenschaft an der Columbia University, hat zu verschiedensten Themen berichtet, unter anderem in einem Beitrag über die Operativen Morris Katz und Daniel Moraff, die Graham Platner nicht überprüften, bevor sie ihn für eine Senatskampagne in Maine rekrutierten.
Hintergrund der Umstrukturierung
Der Niedergang des Playbook wurde bereits seit dem Weggang von Eugene Daniels im Jahr 2025 beobachtet, als er Politico zu MS NOW (ehemals MSNBC) wechselte. Daniels war dafür bekannt, die Meldung zu veröffentlichen, dass Vizepräsidentin Kamala Harris „ernsthaft darüber nachdenkt", für das Amt des Gouverneurs von Kalifornien zu kandidieren.
Weitere ehemalige Mitwirkende beim Playbook sind Ryan Lizza, ein ehemaliger CNN‑Analyst, der vom New Yorker wegen „unangemessenen sexuellen Verhaltens" entlassen wurde. Lizza gründete später einen Substack, in dem er enthüllte, dass seine Ex‑Verlobte, die Journalistin Olivia Nuzzi, eine Affäre mit dem ehemaligen Gouverneur von South Carolina, Mark Sanford, hatte.
Reaktion der Branche
Medienbeobachter sehen die Berufung eines rein amerikanischen Teams als korrigierenden Schritt und erwarten eine nuanciertere und besser recherchierte Analyse der US‑Politik. Der Schritt wird zudem als Hinweis darauf gewertet, dass Politico bereit ist, journalistische Standards in den Vordergrund zu stellen, wenn die Leistung nachlässt.
Mit Wren, Burns und Steakin an der Spitze will das Playbook die Tiefe und Glaubwürdigkeit zurückgewinnen, die es einst zu einer unverzichtbaren Lektüre für politische Insider machten.
