Das New‑York‑Times‑Magazine hat ein animiertes Geschichtsprojekt zum Gedenken an den 250. Jahrestag der Vereinigten Staaten gestartet und argumentiert, dass anti‑indigene Ressentiments und das Verlangen nach Land zentrale Motive der Gründer der Nation waren.
Die Serie wird vom britischen Künstler Tim McDonagh illustriert, dessen grafischer Stil Comic‑Book‑Ästhetik mit Tattoo‑Kunst verbindet. Sie verfolgt Spannungen bis ins Jahr 1763 zurück und behauptet, dass die Versuche von König Georg III., die Westexpansion in indigene Gebiete zu begrenzen, und nicht die bekannte Beschwerde über Besteuerung ohne Vertretung, die koloniale Rebellion auslösten.
Diese Erzählung stellt die konventionelle Darstellung, wonach die Revolution durch das Motto „keine Besteuerung ohne Vertretung" ausgelöst wurde, direkt in Frage. Gleichzeitig wird auf die Forschung des Historikers Bernard Bailyn zu ideologischen Triebkräften wie dem Prinzip der Zustimmung der Regierten nicht verwiesen.
Bekannte Persönlichkeiten neu inszenieren
Wichtige Gründungsfiguren, darunter Samuel Adams und Thomas Jefferson, werden als mitschuldig an der Vertreibung indigener Völker dargestellt, obwohl Adams 1775 einen Aufruf an die Mohawk‑Nation richtete, sich der revolutionären Sache anzuschließen.
Das Projekt stellt bewusst große Persönlichkeiten in den Hintergrund und rückt stattdessen wenig bekannte Akteure wie Good Peter, einen Mohawk‑Anführer, und Elizabeth Freeman, die die Sklaverei in Massachusetts infrage stellte, in den Vordergrund.
Kritik und politische Resonanz
Kritiker*innen argumentieren, die Serie reiße sich in zeitgenössische progressive Narrative über die Ursprünge Amerikas ein. Jane Kamensky, Präsidentin von Monticello, warnte in einem begleitenden Essay, dass Geschichte nicht zu „einem Friedhof mustachiger Schurken" reduziert werden dürfe, und wies zugleich auf die Gefahr unkritischer Heldenverehrung hin.
Der Veröffentlichungstermin fällt mit einer intensiven Debatte über die historische Bildung zusammen. Die Sozialistin Clare Valdez, Gewinnerin der demokratischen Vorwahl für einen Kongresssitz in New York, wiederholte das Thema der Serie und erklärte: „Diese Nation wurde auf Genozid und massenhafter Vertreibung von Menschen gegründet."
Die Reaktionen der Leser*innen sind gemischt; ein Kommentar bemerkte: „Der moderne progressive Diskurs ignoriert die Erfahrungen der meisten Siedler dieses Landes."
Historiker*innen betonen, dass die Westexpansion ein komplexes Geflecht aus Allianzen und Konflikten mit indigenen Stämmen war und dass das Konzept privaten Landbesitzes anwendet auf indigene Gemeinschaften anachronistisch sei. Primärdokumente wie die Unabhängigkeitserklärung, so weisen sie hin, betonen Selbstverwaltung statt territorialer Ansprüche.
