NewsGuard hat diese Woche einen KI‑Chatbot vorgestellt, der laut einer Analyse des Washington Free Beacon behauptet, dass es zwischen zweiundsechzig und einer unbegrenzten Anzahl von Geschlechtsidentitäten geben kann und das Konzept eines binären biologischen Geschlechts ablehnt.
Unterstützungen und Quellenauswahl
Das Tool wird als persönlicher Fakten‑Check‑Assistent vermarktet und hat Unterstützungen von The Atlantic und Snopes erhalten. Kritiker argumentieren, dass der Chatbot gemäßigte oder konservative Standpunkte auslasse, weil er ausschließlich Quellen nutzt, die NewsGuard mit mindestens sechzig Punkten auf seiner Zuverlässigkeitsskala bewertet. Eine zitierte Studie zeigt, dass rechtsgerichtete Medien im Schnitt einen Vertrauenswert von sechsundzwanzig Komma vier erreichen, unterhalb der Schwelle, während linke Seiten im Mittel sechzig Komma sechs erzielen.
Inhalt und Auslassungen
Auf die Frage nach dem biologischen Geschlecht wies der Chatbot das traditionelle Zweigeschlecht‑Modell als zu simplifiziert zurück und berief sich dabei auf einen Aufsatz im Huffington Post eines Gender‑Studies‑Professors sowie einen MedicineNet‑Artikel, der zweiundsechzig Geschlechtsidentitäten aufzählt und Gender von der physischen Anatomie trennt. Ein Meinungsbeitrag im Wall Street Journal von Biologen, der argumentiert, dass das Geschlecht funktional binär sei, wurde nicht erwähnt.
Anthropics Claude erwiderte, dass die standardmäßige biologische Antwort zwei sei, definiert durch den Gametentyp, wies jedoch auf die Komplexität der physischen Ausprägung hin.
Tests zeigen Fehler
Tests ergaben, dass der Chatbot Dan Morenoff, Direktor des American Civil Rights Project, fälschlich als Jeffrey Morenoff, einen Soziologen, identifizierte, falsche Artikeldaten ausgab und Administratoren der UCLA verwechselte.
Unternehmenshintergrund und Reaktion
NewsGuard wurde von Steven Brill und Gordon Crovitz gegründet. Das Unternehmen verkauft seine Daten an Werbetreibende und KI‑Firmen, um Desinformation zu bekämpfen, obwohl bislang kein großer KI‑Konzern seine inländischen Quellbewertungen lizenziert hat. COO Matt Skibinski räumte ein, dass das Tool nicht fehlerfrei sei, verteidigte jedoch seine faktische Genauigkeit und erklärte, er könne nicht nachvollziehen, wie die Daten für das Training von Modellen verwendet würden.
Kritiker warnen, dass der Ansatz der Quellfilterung NewsGuards Vorurteile, etwa die höhere Bewertung chinesischer Staatsmedien gegenüber manchen konservativen Angeboten, in KI‑Systeme einbetten könnte, die als neutral präsentiert werden. Das Unternehmen distanziert sich inzwischen von früheren Aussagen, seine Daten zum Training von KI‑Modellen zu nutzen.
