In einem ausführlichen neuen Band mit dem Titel Middlemen: Literary Agents and the Making of American Fiction argumentiert die Princeton University Press‑Wissenschaftlerin Laura B. McGrath, dass Literaturagenten als Torhüter fungieren, die entscheiden, welche Manuskripte Verlage erreichen, welche Bücher Bestseller werden und welche politischen Narrative den öffentlichen Diskurs dominieren.
McGraths Forschung zeichnet das Bild einer Branche, die trotz ihres überproportionalen Einflusses nach wie vor stark in New York City konzentriert ist. Sie schätzt, dass in den Vereinigten Staaten etwa 1.500 Literaturagenten tätig sind, von denen rund 80 Prozent Frauen sind. Dieselben Daten zeigen, dass die überwiegende Mehrheit weiß ist, ein Umstand, den sie mit der anhaltenden Unterrepräsentation schwarzer Autor*innen auf Bestsellerlisten in Verbindung bringt.
Der Untertitel des Buches, „Literary Agents and the Making of American Fiction", ist kein rhetorisches Beiwerk. McGrath verweist auf historische Fälle, in denen Agenten bescheidene Manuskripte zu Kulturdenkmälern machten. Lynn Nesbit etwa begleitete Jack Kerouacs Road‑Roman On the Road bis zur Veröffentlichung, während Candida Donadio die Rechte an Joseph Hellers satirischem Klassiker Catch‑22 sicherte. Beide Werke sind zu festen Bestandteilen der amerikanischen Nachkriegsliteratur geworden, doch McGrath hinterfragt, ob ihr anhaltender Ruhm literarischer Qualität oder der Werbekraft ihrer Vertreter zu verdanken ist.
Auch außerhalb der Belletristik sind Agenten unverzichtbare Vermittler politischer Memoiren geworden. Der Washingtoner Anwalt Robert B. Barnett, der als Agent für Präsidenten und Senatoren tätig war, verhandelte ein Vorschuss von 8 Millionen Dollar für Hillary Clintons Living History und einen Vorschuss von 10 Millionen Dollar für Bill Clintons My Life. Laut seiner Nachrufschrift der University of Chicago Law School war Barnetts lukrativster Deal ein Paket im Wert von 65 Millionen Dollar für das gemeinsame Memoir von Barack und Michelle Obama bei Penguin Random House. Diese Zahlen zeigen, wie Agenten das politische Narrativ prägen können, indem sie bestimmen, welche Führungsfiguren eine Plattform erhalten und mit welchen Ressourcen sie ihre Geschichten ausarbeiten können.
Eine der eindrucksvollsten persönlichen Schilderungen in McGraths Buch stammt von Autor Joseph Epstein, der von seiner ersten Begegnung mit dem legendären Agenten Georges Borchardt im Jahr 1970 berichtet. Als er für Quadrangle‑New York Times Books tätig war, bot Epstein einen Vorschuss von 2 500 Dollar für eine Sammlung von Filmkritiken des Vernon Young an. Borchardts Antwort, „Das ist keine besonders elegante Summe", löste eine Verhandlung aus, die schließlich zum Abschluss führte. Die Anekdote verdeutlicht, wie Agenten subtil nicht nur den Geldwert, sondern auch das wahrgenommene Prestige eines Projekts beurteilen.
Georges Borchardts Laufbahn erstreckte sich über mehr als fünf Jahrzehnte. Nach dieser frühen Verhandlung bat Epstein Borchardt, sein persönlicher Agent zu werden, ein Antrag, den der Veteran annahm. In den folgenden Jahren kümmerte sich Borchardt um die Auslandsrechte von Epsteins Büchern und sicherte Verträge in China, Italien, Deutschland und anderen Ländern. Er setzte sich zudem für Werke ein, die andere Verlage ablehnten; am bemerkenswertesten rettete er Elie Wiesels Holocaust‑Memoir Night, ein Titel, der weltweit etwa zehn Millionen Exemplare verkaufte. Borchardts Einfluss ging über das geschriebene Wort hinaus: Seine Frau Anne verwaltete Film‑ und Fernsehoptionen für die Agentur und verhandelte mit Hollywood‑Produzenten wie Stanley R. Jaffe, obwohl keines dieser Projekte in Produktion ging.
Georges Borchardt starb am 18. Januar 2026 im Alter von 97 Jahren und beendete damit eine Ära für viele Autor*innen, die auf seine sichere Hand vertrauten. In ihrem letzten Gespräch scherzte er, dass das stumme „s" am Ende seines Vornamens einige Amerikaner dazu veranlasste, ihn fälschlich als „Gorgeous" auszusprechen. Die Geschichte verdeutlicht, wie persönliche Beziehungen zwischen Agenten und Schriftstellern Teil der Verlagslegende werden können, obwohl das Geschäft weitgehend nach einem Lehrlingsmodell funktioniert. Neue Agenten lernen das Handwerk typischerweise von erfahrenen Kolleg*innen, die wiederum Assistent*innen betreuen, die schließlich Partner werden.
McGrath skizziert die finanziellen Mechanismen, die die Beziehung zwischen Agent und Autor*innen untermauern. Traditionell erhalten Agenten eine Provision von zehn Prozent auf die Tantiemen eines Autors, ein Satz, der in den letzten Jahren auf fünfzehn Prozent gestiegen ist. Die Provision gilt sowohl für Vorschüsse als auch für sämtliche nachfolgenden Einnahmen. Vorschüsse, die vor dem Verkauf eines Buches gezahlt werden, können von bescheidenen sechsstelligen Summen für Erstlingsromane bis zu mehrmillionenschweren Deals für hochkarätige Memoiren reichen. Diese Vorschüsse sollen Autor*innen während der Fertigstellung ihrer Manuskripte unterstützen, werden jedoch aus den zukünftigen Verkäufen zurückgeholt.
Der Geschlechterwechsel im Beruf hat sich nicht in eine breitere rassische Vielfalt übersetzt. McGrath hebt die Laufbahn von Marie Dutton Brown hervor, einer afroamerikanischen Redakteurin bei Doubleday/Anchor, die schwarze Autor*innen in einer Zeit unterstützte, in der die meisten Agenten weiß waren. Brown argumentiert, dass das Fehlen schwarzer Agenten die Marktwahrnehmung verstärkt, Schwarze Leser*innen kauften keine Bücher, ein sich selbst erfüllendes Prophezeiung, die Chancen für schwarze Autor*innen einschränkt. McGrath schätzt, dass die USA ein potenzielles Marktvolumen von zwanzig Millionen schwarzen Mittelklasse‑Leser*innen besitzen, ein Segment, das unterversorgt bleibt, weil Agenten tendenziell Titel priorisieren, die dem überwiegend weißen, oberen Mittelstand, der den Belletristikverkauf dominiert, gefallen.
Für kanadische Leser*innen zeigen die in Middlemen beschriebenen Dynamiken klare Parallelen. Das kanadische Verlagszentrum in Toronto spiegelt die Konzentration von Agenten in New York wider, und dasselbe Lehrlingssystem bestimmt die Ausbildung kanadischer Agenten. Obwohl der kanadische Markt kleiner ist, treten dieselben Geschlechter‑ und Rassenungleichgewichte auf, und kanadische Autor*innen verlassen sich häufig auf dieselben transnationalen Agenten, um Auslandsrechte an die USA zu verkaufen. Der grenzüberschreitende Rechtefluss bedeutet, dass Entscheidungen in einem New‑York‑Büro die Sichtbarkeit eines kanadischen Romans in den USA und umgekehrt beeinflussen können.
McGraths Analyse berührt zudem die sich wandelnde Rolle von Agenten im digitalen Zeitalter. Der Aufstieg von Self‑Publishing‑Plattformen und Direkt‑zu‑Konsument‑Marketing hat manchen Autor*innen die Möglichkeit eröffnet, die traditionelle Vertretung zu umgehen. Dennoch deuten die Daten in Middlemen darauf hin, dass Agenten nach wie vor die lukrativsten Deals kontrollieren, insbesondere bei hochkarätigen politischen Memoiren und groß angelegten Auslandsrechtsverkäufen. Autor*innen ohne Agent haben oft Schwierigkeiten, Vorschüsse zu sichern, die die Lebenshaltungskosten decken, wodurch das traditionelle Modell für viele Schriftsteller*innen de‑facto unverzichtbar bleibt.
Zusammenfassend bietet Middlemen einen umfassenden Einblick in eine Branche, die im Hintergrund agiert, aber entscheidenden Einfluss darauf hat, was Amerikaner*innen und Kanadier*innen lesen, welche politischen Geschichten verstärkt werden und wie kulturelle Narrative geformt werden. Indem das Buch die geschlechtliche und rassische Zusammensetzung des Berufs offenlegt, regt es zu einer breiteren Diskussion darüber an, wie das Verlagswesen inklusiver werden kann und wie sich die Torhüter‑Rolle der Agenten weiterentwickeln könnte, während sich der Markt wandelt.
