Abdul El‑Sayed, der demokratische Kandidat für den US‑Senat aus Michigan, bestreitet aktiv jede formelle Zugehörigkeit zu den Democratic Socialists of America (DSA), während er sich auf die Vorwahl am 4. August gegen die gemäßigte Abgeordnete Haley Stevens vorbereitet. Er sagt Reportern, er sei „weder technisch noch praktisch" Mitglied der Organisation.
Frühere Verbindungen zur DSA
El‑Sayeds Geschichte mit der DSA ist umfangreich. 2019 war er Hauptredner bei einer Spendenaktion für das Detroit‑Kapitel der DSA, wo er als „langjähriger Freund" vorgestellt wurde und gemeinsam mit der Abgeordneten Rashida Tlaib (D., Mich.), einer bekannten DSA‑Mitglied und Teil der progressiven „Squad", auf der Bühne stand. Die Veranstaltung sammelte 10 000 Dollar und zeigte ein Plakat mit einer roten Faust, die eine mit „CAPITALISM" beschriftete Schlange erwürgt, sowie Aufrufe zu einem „Green New Deal", einer von Abgeordneter Alexandria Ocasio‑Cortez (D., N.Y.) geförderten Politik.
Zwischen 2017 und 2020 sprach El‑Sayed bei sechs von der DSA organisierten Veranstaltungen, darunter Kundgebungen für ein Medicare‑for‑All‑System und Klimaschutz. 2020 teilte er sich zudem eine Veranstaltung mit Senator Bernie Sanders (I., Vt.). Die Kampagne hat diese Auftritte bislang nicht öffentlich mit seiner jetzigen Ablehnung einer DSA‑Mitgliedschaft in Einklang gebracht.
Auf die Frage nach seiner Wirtschaftspolitik sagte El‑Sayed: „Ich glaube an den Kapitalismus, ich glaube nur, dass der Kapitalismus reguliert werden muss", und zog damit eine klare Grenze zwischen seinen Ansichten und dem sozialistischen Programm der DSA.
Politische Kalkulationen in einem umkämpften Bundesstaat
Michigans Status als Swing‑State erhöht den Druck auf El‑Sayeds Narrative. Donald Trump gewann den Bundesstaat bei der Präsidentschaftswahl 2024, und republikanische Gegner haben El‑Sayed bereits als „zu radikal für Michigan" bezeichnet, wobei sie auf seine früheren Aufrufe zur Defundierung der Polizei, seine Kritik an Israel und seine Verbindungen zum Aktivisten Hasan Piker verweisen, der umstrittene Bemerkungen zu 9/11 gemacht hat.
Während von der DSA unterstützte Kandidaten in liberalen Hochburgen wie New York City und Washington, D.C. Erfolge feiern, bleibt das breitere Wählerfeld in Michigan eher moderat, sodass wahrgenommener Radikalismus zu einer potenziellen Belastung werden kann.
Finanzielle und persönliche Prüfung
Bundesstaatliche Unterlagen zeigen, dass El‑Sayed für das Jahr 2025 ein Haushaltseinkommen von 680 000 Dollar angegeben hat, was ihn in die obersten 1 % der Verdiener einordnet. Seine Ehefrau, eine Psychiaterin, nimmt in ihrer Praxis weder Medicare‑ noch Medicaid‑Patienten auf, ein Detail, das im Gegensatz zu El‑Sayeds öffentlicher Befürwortung eines nationalisierten Gesundheitssystems steht.
Der Kandidat hat auf Anfragen zu diesen finanziellen und persönlichen Angelegenheiten nicht reagiert.
