Yossi Sheffi, der fast fünf Jahrzehnte am Massachusetts Institute of Technology lehrte, hat ein selbstverlegtes Werk mit dem Titel Unsafe at MIT veröffentlicht. Basierend auf Interviews mit Dutzenden von Studierenden, Postdoktorand*innen und Fakultätsmitgliedern bietet das Buch einen chronologischen Bericht über das Schuljahr 2023‑24 und das feindliche Umfeld, das jüdische Studierende laut eigener Aussage erlebten.
Belästigung und Proteste auf dem Campus
Die Erzählung schildert einen Campus, an dem antisemitische Hetze und Belästigungen an der Tagesordnung waren. Laut Sheffis Interviewpartner*innen besetzten Protestierende regelmäßig öffentliche Räume, störten Vorlesungen und blockierten den Zugang zu Universitätsgebäuden. Vom Autor benannte Gruppen, darunter Kapitel von Students for Justice in Palestine und die Coalition Against Apartheid, sollen jüdische Studierende und Mitarbeitende eingeschüchtert und delegitimiert haben.
Kritik an der Führung
Sheffi legt die Hauptverantwortung bei der Hochschulleitung. Er wirft Präsidentin Sally Kornbluth vor, die antisemitische Rhetorik und Aktionen nicht verurteilt zu haben, sondern sie als Ausübung der Meinungsfreiheit dargestellt zu haben. Das Buch argumentiert, dass anti‑Israel‑ und antisemitische Gruppierungen mit kaum Widerstand operieren konnten, verstärkt durch Social‑Media‑Kampagnen.
Persönliche Perspektive
Als israelischer Einwanderer, der das Massaker vom 7. Oktober miterlebt hat, bringt Sheffi eine persönliche Dimension in den Bericht ein. Er behauptet, dass das Klima auf dem Campus eine breitere Entwicklung des Antisemitismus widerspiegelt und ein Versagen der Institutionen, jüdische Mitglieder der Gemeinschaft zu schützen.
Rezeption und Mängel
Die New York Times berichtete zuerst über Sheffis Selbstveröffentlichung und hob die Wirkung des Werks trotz technischer Mängel hervor, etwa dem Fehlen eines Index und schwer lesbaren Fußnoten. Dennoch wurde Sheffis Schlussfolgerung, dass die koordinierte Kampagne der Delegitimierung und Einschüchterung „durch institutionelle Lähmung geschützt und durch ein moralisches Rahmenwerk gerechtfertigt sei, das Juden die üblichen Schutzmaßnahmen, die anderen Minderheiten gewährt werden, verweigere", als ein erschreckendes Urteil über die Kultur des MIT beschrieben.
Positive Entwicklungen und weiterreichende Folgen
Sheffi verzeichnet seit 2024 einen leichten Anstieg des Zufriedenheitsgefühls unter jüdischen Studierenden, den er auf bundesweite Durchsetzungsmaßnahmen der Trump‑Administration zurückführt. Außerdem stellt er fest, dass die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, rassistische Diskriminierung im Rahmen von „Affirmative Action" zu verbieten, mit einem Rückgang des Anteils schwarzer Studierender am MIT einherging.
Politischer Kommentar
Der pensionierte Anwalt aus Minneapolis, Scott W. Johnson, ein Mitarbeiter von Power Line, bemerkt, dass das Buch die Entwicklung des „Hamas‑Zweigs der Demokratischen Partei, der die Kontrolle hat", wie der Senator John Kennedy aus Louisiana kürzlich formulierte, nahelegt. Das Werk wirft weitere Fragen zur Verbreitung der Behauptung auf, Israel begehe einen „Völkermord", und zur angeblichen Notwendigkeit, Gruppen wie die Hamas zu unterstützen.
Insgesamt wird Unsafe at MIT als ein eindringlicher, wenn auch beunruhigender Bericht über die Erfahrungen jüdischer Studierender und institutionelle Defizite präsentiert, der sich an Leser*innen richtet, die sich mit Antisemitismus, Campus‑Politik und der Zukunft der akademischen Freiheit befassen.
