Jonathan Hammels neuestes Werk, The Jewish Hospital, erzählt die Geschichte einer Berliner medizinischen Einrichtung, die von den frühen Tagen der Nazi‑Herrschaft bis zum Kriegsende für Juden geöffnet blieb. Der Roman, veröffentlicht von Skyhorse, folgt den Erlebnissen der Großmutter des Autors, Gerda Schild Haas, die dort als Krankenschwester arbeitete. Indem er persönliche Erzählung mit dokumentierten Ereignissen verwebt, fügt Hammel ein neues Kapitel zu den von Yad Vashem geschätzten rund 200 000 Büchern über den Holocaust hinzu.
Hammels Entschluss, ein weiteres Holocaust‑Buch zu schreiben, mag überflüssig erscheinen, doch die Existenz des Krankenhauses widerspricht der Logik der Nazi‑Vernichtungsmaschinerie. Der Roman spielt im März 1943, ein ganzes Jahr nach der Wannsee‑Konferenz, bei der Reinhard Heydrich und fünfzehn hochrangige Beamte die „Endlösung" formell festlegten. Zu diesem Zeitpunkt waren Auswanderungspläne für europäische Juden zusammengebrochen, und die Nazis beschleunigten die Deportationen in Arbeits‑ und Todeslager.
Der Erzählung zufolge glaubten Nazi‑Beamte, dass die 70 000 in Berlin lebenden Juden in guter Gesundheit gehalten werden müssten, bevor sie nach Sachsenhausen, wo die durchschnittliche Überlebenszeit etwa zwei Wochen betrug, oder nach Auschwitz, wo die meisten innerhalb von Stunden starben, verschifft würden. Das Krankenhaus wurde damit zu einem paradoxen Instrument des Regimes: ein Ort, an dem schwangere Frauen gebären konnten, bevor ihre Säuglinge in dieselben Todeszüge geschickt wurden.
Hammel verwendet für viele Figuren Pseudonyme, doch einige behalten ihre historischen Namen. Dr. Walter Lustig, der Chefarzt, erscheint unter seinem echten Namen. Lustig hatte seine ärztliche Zulassung nach den Nürnberger Gesetzen verloren, gelang es ihm jedoch, mit der Gestapo und der SS zu verhandeln, um das Krankenhaus am Laufen zu halten. Seine Zusammenarbeit verdeutlicht die verzweifelten Kompromisse, zu denen einige jüdische Fachleute zum Überleben bereit waren.
Weitere Figuren, wie die fiktive Lena Schild (basierend auf Gerda Schild Haas) und Stella Goldschlag (eine Vertretung der realen Kollaborateurin Stella Goldschlag), verdeutlichen die moralischen Mehrdeutigkeiten, denen Juden ausgesetzt waren. Goldschlag, nach brutaler Folter zur Spionage gegen Mitjuden gezwungen, verkörpert die schmerzhaften Verrätereien, die unter Nazi‑Druck entstanden. Der Roman zeigt, wie einige Krankenhausmitarbeiter als Informanten rekrutiert wurden, um Juden aufzuspüren, die in Berlin unter falschen Identitäten lebten.
Historische Persönlichkeiten wie Adolf Eichmann und Alois Brunner tauchen ebenfalls auf und beaufsichtigen die bürokratischen Unterlagen des Krankenhauses. Ihre Präsenz unterstreicht, wie die Einrichtung in die größere Maschinerie des Völkermords passte, obwohl sie vorübergehend einige Leben schützte.
Die Darstellung der psychiatrischen Abteilung des Krankenhauses im Roman wirft Fragen auf, die Historiker noch immer diskutieren. Warum sollten die Nazis eine psychiatrische Einheit betreiben lassen, während das Vernichtungsprogramm in vollem Gange war? Einige Wissenschaftler argumentieren, die Abteilung diene als Propagandainstrument, das ausländischen Beobachtern eine Fassade jüdischer Umsiedlung vorgaukele. Andere sehen darin ein pragmatisches Kompromiss: Das funktionierende Krankenhaus verringerte den administrativen Aufwand, jeden Patienten zu deportieren.
In Wirklichkeit hat das jüdische Krankenhaus Berlin den Krieg überlebt und fungiert heute weiterhin als medizinisches Zentrum. Seine Beständigkeit bietet eine greifbare Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart und erinnert die Leser daran, dass Institutionen selbst die extremsten Versuche, sie zu tilgen, überdauern können.
Für nordamerikanische Leser erscheint Hammels Buch zu einem Zeitpunkt, an dem die Erinnerung an den Holocaust immer stärker politisiert wird. In den Vereinigten Staaten spiegelt das parteiübergreifende Gesetz von 2022, das die Finanzierung der Holocaust‑Aufklärung an öffentlichen Schulen ausweitete, einen wachsenden Konsens wider, dass die Vermittlung dieser Geschichte steigenden antisemitischen Vorfällen entgegenwirken kann. Die kanadische Bundesregierung hat inzwischen Millionen von Dollar bereitgestellt, um Museen und Gedenkstätten zu unterstützen, und mehrere Provinzen haben Gesetze verabschiedet, die Holocaust‑Leugnung strafbar machen.
Beide Länder haben in den letzten fünf Jahren einen Anstieg von Hassverbrechen gegen jüdische Gemeinschaften erlebt. Die Anti‑Defamation League meldete für die USA im Jahr 2023 einen Anstieg antisemitischer Vorfälle um 30 Prozent, während das Canadian Centre for Hate Studies einen ähnlichen Trend dokumentierte. Politiker argumentieren, dass präzise historische Erzählungen, wie sie in Hammels Roman zu finden sind, unverzichtbare Werkzeuge im Kampf gegen Desinformation und extremistische Rhetorik darstellen.
Kritiker warnen jedoch davor, Literatur als Ersatz für rigorose Wissenschaft zu nutzen. Der Historiker Nikolaus Wachsmann, dessen umfassende Holocaust‑Geschichte häufig zitiert wird, betont, dass fiktive Darstellungen klar von Archivforschung zu unterscheiden seien. Hammels Mischung aus Fakten und Phantasie ist zwar fesselnd, könnte jedoch für Leser, die mit den Primärquellen nicht vertraut sind, die Grenze verwischen.
Der Roman berührt zudem die Rolle von Medizinern im Nazi‑Deutschland, ein Thema, das aktuelle Debatten über medizinische Ethik beeinflusst. Der US‑Senat, Ausschuss für Gesundheit, Bildung, Arbeit und Renten, hielt kürzlich eine Anhörung zum Thema „Medical Ethics in Times of Conflict" ab und verwies dabei auf die Mitschuld von Ärzten wie Dr. Lustig. In Kanada hat das Royal College of Physicians and Surgeons ein Lehrmodul zum „Medical Profession under Totalitarian Regimes" gestartet, das das Berliner Krankenhaus als Fallstudie nutzt.
Jenseits akademischer Kreise hat das Buch Gespräche unter Interessenvertretungen ausgelöst. Das American Jewish Committee veröffentlichte eine Erklärung, in der der Roman dafür gelobt wird, er „humanisiere die Opfer, während er die bürokratischen Absurditäten aufdecke, die den Völkermord ermöglichten." In Toronto organisierte das Centre for Israel and Jewish Affairs eine Podiumsdiskussion mit Hammel, Wissenschaftlern und Angehörigen von Überlebenden, um zu erörtern, wie persönliche Erzählungen die öffentliche Politik beeinflussen können.
Finanziell erscheint die Veröffentlichung des Romans zu einem Zeitpunkt, in dem die Verlagsbranche den Markt für Holocaust‑Literatur neu bewertet. Skyhorse, das Imprint hinter Hammels Buch, meldete im ersten Quartal 2024 einen Anstieg der Verkäufe von Titeln zum Zweiten Weltkrieg um 12 Prozent. Dieser Aufschwung deutet darauf hin, dass Leser nach neuen Perspektiven auf eine gut dokumentierte Epoche suchen, möglicherweise getrieben vom gegenwärtigen Klima politischer Polarisierung.
Eine Fußnote im Nachwort des Buches erwähnt Stanley Goldfarb, emeritierter Professor für Medizin an der University of Pennsylvania und Vater des Washington Free Beacon‑Chefs Michael Goldfarb. Obwohl die Verbindung peripher ist, zeigt sie, wie persönliche Geschichten mit breiteren politischen Netzwerken verknüpft sind, ein Hinweis darauf, dass das Erbe des Holocaust die heutige Diskussion weiterhin prägt.
Während die USA und Kanada Gesetze zur Eindämmung von Hassrede und zum Schutz historischer Wahrheit ausarbeiten, dienen Werke wie The Jewish Hospital als kulturelle Bezugspunkte. Sie bilden eine erzählerische Brücke zwischen wissenschaftlicher Forschung und öffentlichem Verständnis und untermauern die These, dass Erinnerung ebenso ein politischer wie ein moralischer Akt ist.
Hammels Erzählstil wurde von frühen Rezensenten als „effektiv" und „tief befriedigend" bezeichnet; sie betonen, dass der Höhepunkt des Romans nach einer erschütternden Auseinandersetzung mit dem Leben der jüdischen Berliner Bewohner eine kathartische Auflösung bietet. Unabhängig davon, ob Leser das Buch als historische Darstellung oder als Fiktion ansehen, ist sein Beitrag zur fortlaufenden Diskussion darüber, wie Gesellschaften den Holocaust erinnern und daraus lernen, unbestreitbar.
In einer Welt, in der Fehlinformationen sich rasch über digitale Plattformen verbreiten, erinnert das detaillierte Porträt des Überlebens eines einzelnen Krankenhauses daran, dass selbst die repressivsten Regime Risse besitzen. Für Politiker, Pädagogen und Bürger in den USA und Kanada betont Hammels Roman die Bedeutung, institutionelles Gedächtnis zu bewahren und sicherzustellen, dass die Lehren der Vergangenheit die heutigen Entscheidungen prägen.
