James Murdoch übernahm am 8. Juli die redaktionelle Kontrolle über das New‑York‑Magazine und ließ sofort eine Ausgabe erscheinen, die den Krieg Israels im Gazastreifen wiederholt als Genozid bezeichnet. Das Magazin spricht den jüdischen Staat zudem als „the land mass currently called Israel" an, eine Formulierung, die von der führenden Bürgerrechtsorganisation des Landes und mehreren pro‑israelischen Interessenvertretungen scharf kritisiert wurde.
James Murdoch, der jüngere Sohn des Medienmoguls Rupert Murdoch, wird seit langem als linksliberaler Akteur im Familienimperium dargestellt. 2023 gründete er Lupa Systems, ein Medien‑Investitionsvehikel, das eine Mehrheitsbeteiligung am New‑York‑Magazine erwarb. Sein Abkehr von dem konservativen Erbe seines Vaters wurde durch einen langwierigen Rechtsstreit deutlich, in dem Rupert versuchte, James daran zu hindern, die Wall Street Journal und Fox News zu übernehmen, weil die politische Ausrichtung des jüngeren Murdoch die Flaggschiff‑Publikationen der Familie gefährden könnte.
Die umstrittene New‑York‑Ausgabe enthält zwei Langformartikel. Der erste, von Zaina Arafat, Adjunct Assistant Professor am Barnard College, stellt die Zeit nach dem 7. Oktober als eine Phase dar, in der „SWANA New Yorkers" Xenophobie, Islamophobie und Zionismus ausgesetzt sind. Arafat schreibt, dass die Frage, ob Israelis eine Verbindung zur Region beanspruchen können, „kompliziert" sei und vom ethnischen Hintergrund abhänge. Der zweite Artikel, von Madeline Leung Coleman, konzentriert sich auf Esskultur und behauptet, dass „Israel's genocide of Palestinians" die Wahl von Speisen zu politischen Statements gemacht habe. Coleman unterschrieb zudem am 26. Oktober 2023 eine Erklärung, in der der Krieg Israels in Gaza als Versuch eines Genozids bezeichnet wird.
Jonathan Greenblatt, CEO der Anti‑Defamation League, schrieb auf X, dass die Doppelseite „has too many issues to count." Er fügte hinzu, dass „calling for other peoples' self‑determination while labeling the Jewish people's request for the same treatment as hate is not factual, it's a blatant, disgusting double standard." Laut den Steuerunterlagen der Stiftung Quadrivium, die von James und Kathryn Murdoch zwischen 2022 und 2024 betrieben wird, erhielt die Organisation 3,5 Millionen Dollar von der Stiftung.
Todd Richman, Mitbegründer und ehemaliger Co‑Chair von Democratic Majority for Israel, bezeichnete das Stück als „so one‑sided that it barely resembles journalism." Er sagte, die Darstellung israelischer Restaurants und Eigentümer „through the narrowest possible lens" und die wiederholte Verwendung des Begriffs Genozid „without meaningful context" könne „real‑world consequences in a city already struggling with rising anti‑Semitism" haben.
Isaac de Castro, Redakteur bei Tablet, nannte die Darstellung in einem X‑Post „batshit". Er schrieb, dass die Doppelseite „ten times worse" sei als der angeblich antisemitische Ton des Covers und dass die Ausgabe von politischer Kommentierung zu hasserfüllter Rhetorik übergehe.
New York‑Magazine gehört Lupa Systems, das von James Murdochs Investmentfonds unterstützt wird. Die redaktionelle Ausrichtung des Magazins war historisch zentristisch, doch unter Murdochs Führung hat sie eine deutlich progressivere Haltung in der Außenpolitik eingenommen. Das Fehlen einer Stellungnahme des Pressesprechers des Magazins oder von Lupa Systems lässt die redaktionelle Begründung für die Juli‑Ausgabe unklar.
Der Vorfall kommt zu einem Zeitpunkt, an dem US‑Medien stark unter Beobachtung stehen, wie sie den Israel‑Palästina‑Konflikt behandeln. Werbekunden distanzieren sich zunehmend von Plattformen, die extremistisches Vokabular zu unterstützen scheinen, und Redaktionen ringen mit internen Debatten über redaktionelle Unabhängigkeit versus Markensicherheit. Die Sprache der New‑York‑Ausgabe könnte Werbekunden dazu veranlassen, Platzierungen zu überdenken, insbesondere in einem Markt, in dem Unternehmenssponsoren empfindlich auf Antisemitismus‑Vorwürfe reagieren.
Antisemitismus habe in den letzten Jahren in den USA zugenommen; die Anti‑Defamation League meldete für 2023 einen Anstieg antisemitischer Vorfälle um 147 Prozent gegenüber dem Vorjahr. New York City, Heimat der größten jüdischen Bevölkerung des Landes, verzeichnete einen Anstieg von Hassverbrechen gegen Synagogen und Gemeindezentren. Kritiker argumentieren, dass Mediennarrative, die Israels Handlungen pauschal als Genozid bezeichnen, feindselige Einstellungen gegenüber jüdischen Amerikanern schüren könnten.
Der Rechtsstreit zwischen Rupert und James Murdoch bildet den Hintergrund der Kontroverse. 2022 reichte Rupert eine Klage vor dem New‑York‑Staatsgericht ein, um James daran zu hindern, eine Mehrheitsbeteiligung an der Wall Street Journal und Fox News zu erwerben, aus Sorge, James' politische Ansichten könnten die redaktionelle Integrität dieser Institutionen untergraben. Der Fall wurde Anfang 2023 beigelegt, wobei James seine Angebote zurückzog und sich stattdessen auf das New‑York‑Magazine und andere digitale Projekte konzentrierte. Beobachter merken an, dass die Einigung einen potenziellen Wandel im ideologischen Gleichgewicht zweier der einflussreichsten US‑Nachrichtenmarken verhindert habe.
Branchenanalysten sehen in dem Streit ein Spiegelbild der breiteren Frage, wie familiengeführte Medienimperien divergierende politische Ansichten unter Erben managen. Sollte James Murdoch das New‑York‑Magazine weiter in Richtung einer aktivistischen redaktionellen Linie steuern, könnte dies ein neues Kapitel für die Murdoch‑Marke einläuten, in dem progressive Kommentare neben den traditionell konservativen Publikationen der Familie koexistieren.
Bislang hat das New‑York‑Magazine keine öffentliche Reaktion auf die Kritik abgegeben, und das Redaktionsteam hat die konkreten Vorwürfe antisemitischer Voreingenommenheit nicht adressiert. Die zukünftige Berichterstattung des Magazins zum Israel‑Palästina‑Konflikt wird voraussichtlich von Interessenvertretungen und Werbekunden genau beobachtet, die das Reputationsrisiko einer Assoziation gegen die Auflagezahlen abwägen. Während die Debatte über Medienverantwortung an Intensität gewinnt, bleiben die internen Dynamiken der Murdoch‑Familie ein interessanter Beobachtungspunkt für alle, die das Zusammenspiel von Eigentum, Ideologie und öffentlichem Diskurs in den USA verfolgen.
