In einer aktuellen Untersuchung der Beziehung der Gründer zeigt der Autor, dass die Spannung zwischen John Adams' pragmatischem Realismus und Thomas Jeffersons romantischem Idealismus für das frühe Amerika zentral war. Das Buch, erstmals von Rasenberger berichtet, stellt diesen Konflikt als wesentlich für die Entwicklung des Landes dar.
Gegensätzliche Ansichten zu Revolution und Kunst
Im Dezember 1818 stand der ehemalige Präsident, inzwischen gebrechlich und mit nachlassender Sehkraft, vor John Trumbulls monumentalem Gemälde der Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung in Boston's Faneuil Hall. Während er das Werk öffentlich lobte, zeigen seine privaten Briefe eine skeptischere Haltung. Adams argumentierte, dass ein getreues Bild „legislative Debatten, die so prosaisch sind, dass sie wahrscheinlich niemanden dazu inspiriert hätten, zum Pinsel zu greifen" darstellen müsse. Er glaubte, dass die chaotische, prosaische Natur der revolutionären Politik nicht durch grandiose künstlerische Gesten eingefangen werden könne.
Jefferson hingegen behandelte die Gründungsdokumente fast wie heilige Schriften. Während der Turbulenzen der Französischen Revolution 1789 schrieb er an James Madison, dass Europäer Amerikas Charta „wie die der Bibel, offen für Auslegung, aber nicht zum Hinterfragen" betrachen. Diese Ehrfurcht untermauerte seinen Glauben an die transformative Kraft der Ideale der Nation.
Philosophische Grundlagen
Adams' Weltanschauung war stark von Niccolò Machiavelli beeinflusst. Er zitierte den italienischen Denker: „Wer einen Staat gründen will … muss annehmen, dass alle Menschen von Natur aus schlecht sind." Für Adams erforderte Regierung praktische Mechanismen und die Akzeptanz menschlicher Unvollkommenheit.
Jefferson hingegen vertrat eine optimistische Sicht auf die menschliche Natur. Er behauptete, dass die Geister „verbesserungsfähig bis zu einem Grad, zu dem wir noch keine Vorstellung fassen können" seien, ein Glaube, der sein Eintreten für radikale Reformen antrieb, einschließlich des überraschenden Vorschlags, die Verfassung alle neunzehn Jahre verfallen zu lassen. Dieser Gedanke erstaunte James Madison, den Hauptarchitekten der Verfassung.
Persönliche Bindungen und gemeinsames Schicksal
Trotz ihrer Meinungsverschiedenheiten pflegten die beiden Männer einen regen Briefwechsel, der eine tiefe, wenn auch unbequeme Freundschaft offenbart. Beide starben am 4. Juli 1826, dem fünfzigsten Jahrestag der Unabhängigkeitserklärung, ein Zufall, den Zeitgenossen als göttliche Bestätigung der Arbeit der Gründer deuteten. Der Autor weist darauf hin, dass diese Deutung vom stark religiösen Zeitgeist der Epoche geprägt war, das Buch konzentriert sich jedoch mehr auf die privaten Überzeugungen, die in ihren Briefen zum Ausdruck kommen.
Adams warnte wiederholt, dass Wunder nicht zugunsten der neuen Republik eingreifen würden, und bestand darauf: „Wenn wir eine Regierung wollen, müssen wir menschliche und natürliche Mittel einsetzen." Jeffersons feurige Rhetorik, exemplifiziert durch die Erklärung der Unabhängigkeit, die von „selbstverständlichen" Wahrheiten spricht, lieferte die inspirierende Sprache, die die Öffentlichkeit mobilisierte.
Nachhaltiger Einfluss
Während die Vereinigten Staaten ihrem 250. Jubiläum entgegenblicken, bleiben die divergierenden Vermächtnisse von Adams und Jefferson deutlich spürbar. Jeffersons erhabene Prosa prägt weiterhin die nationale Mythologie, während Adams' nüchterner Realismus den praktischen Ablauf der Regierung untermauert. Die Studie schließt, dass keine der beiden Visionen ohne die andere hätte bestehen können: Jeffersons Idealismus benötigte Adams' Bodenhaftung, und Adams' Realismus fand Sinn durch Jeffersons Bestrebungen.
