In einem seit mehreren Wochen im Netz kursierenden Video äußerte Hasan Piker das N word während eines Beitrags bei The Young Turks, dem progressiven Nachrichtennetz, das von seinem Onkel Cenk Uygur gegründet wurde. Der Clip, der auf den Social‑Media‑Accounts der Sendung veröffentlicht wurde, zeigt Piker, wie er über einen Bericht des Justizministeriums von 2016 spricht, in dem die Baltimore Police Department beschuldigt wird, mindestens 60 Beschwerden, in denen Polizisten angeblich das rassistische Wort verwendet haben, heruntergespielt zu haben.
„Then the 60 instances of citizen complaints that alleged Baltimore officers' use of the racial slur 'N, ' were misclassified as a lesser offense," sagte Piker und grinste leicht in die Kamera. Die Bemerkung fiel, während er und Uygur die Ergebnisse der DOJ‑Untersuchung diskutierten, ein Thema, das immer wieder im Kommentar des Netzwerks zu Polizeiarbeit und Strafjustizreformen auftaucht.
Uygur, der die Leitshow moderiert, benutzte das N word ebenfalls mehrfach in derselben Aufnahme, ebenso wie die regulären Mitwirkenden Ana Kasparian und Jimmy Dore, die beide weiß sind. Ihr Gebrauch des Wortes wurde als Zitat rassistischer Sprache dargestellt, eine Praxis, die die Sendung einst verteidigte, später jedoch nach Kritik von Bürgerrechtsgruppen und Werbekunden aufgab.
Der Clip enthält zudem einen kurzen Austausch, in dem der ehemalige Chief Business Officer von The Young Turks, Steve Oh, fragte: „White crackers? Does that mean now we can say black n, ?" Oh verließ die Sendung im Juli 2021, um laut seinem LinkedIn‑Profil die Okiboru Group zu gründen, eine Hospitality‑Marke, die sich auf japanische Nudelkonzepte spezialisiert.
Weitere Stellen im Video zeigen Uygur, wie er die Art, wie einige Zuhörer das N word verwenden, verspottet und sagt: „N, this or n, that, they're like, 'you cover that Jerry Rice‑looking n, .'" Die Sprache wurde mit Verweisen auf eine Ranch in Texas, die der Familie des ehemaligen Gouverneurs Rick Perry gehört, durchsetzt, ein Thema, das 2012 erneut aufkam, als der Name der Ranch eine separate Kontroverse auslöste.
Uygurs Geschichte mit dem N word reicht zurück bis zu seiner Kongresskampagne 2019 in Kalifornien, die mit einer Niederlage endete und dazu beitrug, dass Senator Bernie Sanders seine Unterstützung zurückzog. Damals verteidigte Uygur die Praxis mit der Begründung, die Sendung zitiere das Wort vollständig, wenn rassistische Äußerungen wiedergegeben werden. Die Richtlinie wurde später nach einer Welle von Kritik seitens Zuschauern und Sponsoren verworfen.
Im Jahr 2020 zeigte ein virales Video, wie Uygur schwarze Fluglinienmitarbeiter wegen einer verspäteten Flugverbindung schimpfte. Er sagte: „If we just sit here and take it, they'd have us here until six in the morning and then they'd f, k us even harder." Eine schwarze Angestellte antwortete: „I'm sorry, I am not going to answer your questions." Der Vorfall wurde von mehreren Medienbeobachtern als Beleg für ein feindseliges Arbeitsumfeld im Netzwerk zitiert.
Hasan Piker hat ebenfalls Kontroversen erlebt. Im vergangenen Monat veröffentlichte der CNN‑Beitragende Scott Jennings einen Clip, in dem Piker sich selbst als „racist" bezeichnet und behauptet: „it was a better time when lynchings were happening." Er fügte hinzu: „I don't give a f, k what Black people care about." Das Video wurde vom National Republican Senatorial Committee verbreitet und löste eine Welle von Forderungen nach Verantwortung aus.
Pikers Team reagierte, indem es die Veröffentlichung als verleumderisch bezeichnete und rechtliche Schritte gegen Jennings androhte. In einer Erklärung hieß es, die Äußerungen seien sarkastisch gemeint und aus dem Kontext gerissen worden. Der Streit verdeutlicht die allgemeine Spannung zwischen linksgerichteten Influencern, die auf Schockeffekte setzen, und den politischen Institutionen, die ihre Rhetorik beobachten.
Über die persönlichen Folgen hinaus wirft der Vorfall Fragen zur Einflussnahme von The Young Turks auf die demokratisch‑sozialistische Politik in den USA auf. Piker, der seine Karriere als Twitch‑Streamer begann und sich selbst als „pick‑up artist" bezeichnet, ist zu einem bedeutenden Vertreter progressiver Kandidaten geworden. Er kampagnierte mit dem Bürgermeisterkandidaten von New York City, Zohran Mamdani, und dem Michigan‑Senatskandidaten Abdul El‑Sayed und wurde öffentlich von William Lawrence, einem Kandidaten der Democratic Socialists of America, gelobt, der eine Vorwahl im 7. Kongresswahlkreis von Michigan gewann.
In einem Interview mit Rolling Stone sagte Piker, er erhalte „requests from hundreds of political campaigns", was seine Rolle als digitaler Mobilisierer für linksgerichtete Wahlkämpfe unterstreicht. Kritiker argumentieren, dass seine provokante Sprache die Glaubwürdigkeit der progressiven Bewegung untergräbt, besonders da die Demokratische Partei versucht, systemischen Rassismus zu adressieren und gleichzeitig ein vielfältiges Wählerklientel anzusprechen.
Die Kontroverse ist auch für kanadische Beobachter relevant. Das Publikum von The Young Turks umfasst eine beträchtliche Zahl von Zuschauern in Kanada, die progressive US‑Kommentare verfolgen, um Einblicke in amerikanische Politikdebatten zu erhalten. Kanadische Sender unterliegen strengeren Sprachrichtlinien, die von der Canadian Radio‑television and Telecommunications Commission durchgesetzt werden, und die wiederholte Verwendung des N word auf einer hochkarätigen Plattform könnte Diskussionen über grenzüberschreitende Medienstandards anstoßen.
Rechtsexperten weisen darauf hin, dass die First Amendment zwar die Ausstrahlung beleidigender Sprache in den USA schützt, private Plattformen und Werbekunden jedoch das Recht behalten, ihre Unterstützung zurückzuziehen. Mehrere Werbekunden haben bereits ihre Ausgaben für The Young Turks nach dem erneuten Auftauchen der Clips pausiert, ein Schritt, der das Einnahmemodell des Netzwerks beeinträchtigen könnte, das stark von Sponsoren und Zuschauer‑Spenden abhängt.
In den USA kommt die Episode zu einem Zeitpunkt, an dem die Demokratische Partei mit internen Debatten über Sprache, Repräsentation und die Grenzen politischen Humors ringt. Progressive Abgeordnete im Kongress haben Gesetzentwürfe eingebracht, um die Meldung von Hassverbrechen zu stärken, und die öffentliche Reaktion auf hochkarätige Verwendungen rassistischer Ausdrücke könnte die Diskussion über diese Vorhaben beeinflussen.
Für kanadische Entscheidungsträger bietet der Vorfall ein Fallbeispiel dafür, wie digitale Medien kontroverse Äußerungen über Grenzen hinweg verstärken können. Die kanadische Regierung hat kürzlich Gesetze eingeführt, die Online‑Hassrede eindämmen sollen, und die grenzüberschreitende Natur von Plattformen wie The Young Turks könnte die Wirksamkeit dieser Maßnahmen prüfen.
Ein Blick in die Zukunft: The Young Turks hat bislang keine formelle Entschuldigung für den aktuellen Clip abgegeben, doch die Leitung des Netzwerks hatte bereits zugesagt, die redaktionellen Standards zu überprüfen. Ob diese Überprüfung zu konkreten Änderungen führt, bleibt ungewiss, da die Sendung ihre unzensierte Kommentarkultur mit den finanziellen Realitäten eines Medienmarktes abwägen muss, der zunehmend sensibel für Fragen von Rasse und Inklusion ist.
Unterdessen könnte Pikers Zukunft im politischen Aktivismus davon abhängen, wie er mit den Folgen umgeht. Sollten die rechtlichen Drohungen gegen Jennings weiterverfolgt werden, könnte der Fall einen Präzedenzfall dafür schaffen, wie Influencer sich gegen manipuliertes Filmmaterial verteidigen. Gleichzeitig deutet seine fortgesetzte Beteiligung an Wahlkampagnen darauf hin, dass er ein fester Bestandteil des progressiven Medienökosystems bleiben wird, zum Guten wie zum Schlechten.
