Das Boston Medical Center (BMC) wird vom Office for Civil Rights des HHS untersucht, nachdem das Louis D. Brandeis Center for Human Rights Under Law eine formelle Beschwerde eingereicht hat. Laut der Beschwerde wurde eine jüdisch‑israelische Praktikantin im psychischen Beratungsprogramm des Krankenhauses isoliert und mit Vergeltungsmaßnahmen konfrontiert, nachdem sie antisemitisches Material gemeldet hatte, das im Arbeitsbereich einer Kollegin ausgehängt war.
Angeblicher Ablauf der Ereignisse
Die Praktikantin begann ihr Praktikum im Mai 2025. An ihrem ersten Tag bemerkte sie zwei Poster im Arbeitsbereich einer Kollegin, auf denen stand „They killed our babies" und „They stole our lands". Sie meldete das Material ihren Vorgesetzten, die zunächst darauf hinwiesen, dass die Anzeigen möglicherweise gegen die Krankenhausrichtlinien verstoßen könnten.
Nachdem die Praktikantin von einer Reise nach Israel zurückgekehrt war, wurde sie an einen anderen physischen Standort versetzt, getrennt von dem klinischen Team, mit dem sie zusammengearbeitet hatte. Ein Vorgesetzter habe angeblich gesagt, die Versetzung solle dafür sorgen, dass „sich alle sicher fühlen". Spätere Berichte deuten darauf hin, dass weiteres Personal eine Gruppe bildete, die sich gegen die Praktikantin richtete; ein Kollege habe angeblich die Kommunikation mit ihr eingestellt und versäumt, Patientenübergaben zu erledigen.
Im Juli 2025 traf die Praktikantin ihre Vorgesetzten, die ihr mitteilten, dass das Krankenhaus das Team über ihre israelische Herkunft gewarnt habe und versicherten, sie habe keine „inakzeptablen politischen Ansichten". Die Personalabteilung gab eine ungenaue Antwort auf ihre Bedenken, und die Praktikantin blieb für den Rest ihres Praktikums von ihrem Team getrennt.
Leistungsbeurteilung und Folgen
Am 5. September 2025 erhielt die Praktikantin eine negative Leistungsbeurteilung, in der ihre „Fähigkeit, im Team zu arbeiten" infrage gestellt und ihr geraten wurde, ihren „trauma‑informierten Ansatz" zu erweitern. Bis April 2026 ließ sie die BMC‑Vorgesetzten aus Empfehlungsschreiben weg und berichtete, Gerüchte von Fakultätsmitgliedern über einen „kulturellen Konflikt" an ihrem Standort gehört zu haben.
Das Boston Medical Center erhält Bundesmittel in Höhe von mehreren zehn Millionen Dollar, darunter HHS‑Zuschüsse sowohl für 2025 als auch für 2026. Das Krankenhaus reagierte nicht auf Anfragen nach einer Stellungnahme.
Weitere Bürgerrechtsfragen
Kenneth Marcus, Geschäftsführer des Brandeis Center, warnte: „Wenn ein*e Studierende*r ein beleidigendes Verhalten meldet und dafür bestraft wird, entstehen ernsthafte Bürgerrechtsbedenken für die Zukunft des Gesundheitswesens." Das Zentrum hat zudem Beschwerden gegen die American Psychological Association und die National Education Association eingereicht.
Das Office for Civil Rights hat das Ergebnis seiner Prüfung noch nicht veröffentlicht, doch die Untersuchung unterstreicht die zunehmende Kontrolle darüber, wie Gesundheitseinrichtungen Meldungen von hasserfülltem Verhalten behandeln und Auszubildende vor Vergeltungsmaßnahmen schützen.
