Loren AliKhan, eine vom Präsidenten Biden ernannte Bundesrichterin, begann Anfang Januar mit der Lehre eines Kurses zur gerichtlichen Rechtsvertretung an der George Washington University Law School. Kurz darauf hörte sie in einer Bundesklage, die behauptet, die Universität habe Title VI des Civil Rights Act verletzt, indem sie ein feindseliges Umfeld gegenüber jüdischen Studierenden zuließ.
Zunächst erklärte AliKhan, dass ihre Anstellung an der Universität keinen Interessenkonflikt darstelle, und sagte, sie würde im Verfahren bleiben, bis eine Partei einen Einspruch erhebe. Etwa zwei Monate nach Beginn ihrer Lehrtätigkeit erließ sie eine zehntägige Aussetzung, um einen möglichen Konflikt zu prüfen, und zog sich anschließend aus dem Fall zurück.
Hintergrund der Klage
Die Klagebehauptet, dass die George Washington University körperliche Angriffe, Vandalismus und verbale Belästigungen jüdischer Studierender unbehelligt weitergehen ließ. Die Klägerin, Sabrina Soffer, erklärte, dass der Rücktritt der Richterin die Integrität des Verfahrens schütze und jede Wahrnehmung von Befangenheit entferne, sodass die Sache fair verhandelt werden könne. Ihr Anwalt, Jason Torchinsky, dankte dafür, dass das Gericht den Fall zügig mit einem neuen Richter weiterführen werde.
Reaktionen von Rechtswissenschaftlern und Beamten
Ein leitender Ethik‑Anwalt der Bundesgerichte riet AliKhan, dass ein Rücktritt wahrscheinlich nicht nötig sei, angesichts der Größe der Universität und der Tatsache, dass die Klage die juristische Fakultät nicht speziell anspreche. Keith Fisher, außerordentlicher Professor am St Thomas University College of Law, argumentierte, AliKhan solle sich sofort zurückziehen, sobald sie eingestellt wurde, weil die Situation den Anschein einer Unangemessenheit erzeuge und das Verfahren befangen machen könne. Er fügte hinzu, dass ihr Versäumnis, den Konflikt offenzulegen oder sich zurückzuziehen, die ethische Regel verletze, nach der Richter sich zurückziehen müssen, wenn ihre Unparteilichkeit vernünftigerweise in Frage gestellt werden könnte.
Seth Oranburg, Rechtsprofessor an der University of New Hampshire Franklin Pierce School of Law, kritisierte AliKhans Berufung auf ein Zurückverweisungsverfahren und erklärte, dass dies unangebracht sei, da die Klägerin bereits öffentlich den Rücktritt der Richterin gefordert habe.
Verfahrensausgang und weiterreichende Folgen
Nach AliKhans Rücktritt wurde der US-Bezirksrichter Trevor McFadden per Los zum neuen Richter des Falls bestimmt. Der Vorfall hat eine Diskussion über richterliche Ethik und Schutzmechanismen gegen Interessenkonflikte in der Bundesjustiz ausgelöst. Von Bundesrichtern wird erwartet, dass sie jeglichen Anschein von Befangenheit vermeiden, und die Judicial Conference stellt Richtlinien zum Rücktritt bereit. Ein Rücktritt beginnt in der Regel mit einem Gesuch einer Partei, woraufhin der Richter entscheidet, ob er sich zurückzieht, und ein neuer Richter ernannt wird.
