In ihrem neuen Buch This Land is Your Land: A Road Trip Through U.S. History unternimmt die Yale‑Professorin und Pulitzer‑Preisträgerin Beverly Gage eine landesweite Reise, um die Geschichten zu hinterfragen, die das kollektive Gedächtnis Amerikas prägen. Das Werk ist teils Reisebericht, teils Kulturkritik und führt von den großen Plantagen des Südens bis zu den ehrwürdigen Mauern von Kirchen, die von jüngsten Tragödien gezeichnet sind.
Den Pfaden des Gedächtnisses folgen
Gages Reiseroute beinhaltet einen Stopp in der Mother Emanuel AME Church in Charleston, South Carolina, dem Ort des Massenanschlags von Dylann Roof im Jahr 2015. Sie stellt fest, dass Roof vor dem Anschlag lokale Museen und Plantagen besichtigt hatte und dass bei einer Durchsuchung seines Fahrzeugs Reisebroschüren gefunden wurden. Diese Details unterstreichen, wie die Motive solcher Gewalt mit der Art und Weise verwoben sein können, wie Geschichte den Besuchern präsentiert wird.
Die Autorin beschränkt sich nicht nur auf die dunklen Kapitel. Sie besucht Mount Vernon und Monticello, die historischen Wohnsitze von George Washington und Thomas Jefferson, und weist darauf hin, dass die für Touristen angebotenen Narrative oft übersehen, dass beide Männer Sklaven besaßen. Gages Ton bleibt gesprächig und gut gelaunt; sie würzt den Bericht mit Humor und persönlichen Anekdoten, anstatt predigend zu wirken.
Mythen im Rampenlicht
Am Alamo in San Antonio, Texas, beobachtet Gage, wie der Ort zu einem mythischen Symbol umgestaltet wurde, wobei kaum auf die komplexen Hintergründe des texanischen Unabhängigkeitskrieges eingegangen wird. Ein ähnliches Muster zeigt sich beim San‑Jacinto‑Denkmal, wo Gravuren Sam Houstons Sieg feiern, der zum Tod von 600 Mexikanern führte, jedoch keinerlei Hinweis auf rassistische Sklaverei oder indigene Landrechte geben.
Durch das ganze Buch hindurch betont Gage, dass die US‑Geschichte ein Geflecht aus den Interaktionen von Native Americans, African Americans und europäischen Kolonialmächten sei. Sie revisitiert zentrale Ereignisse, die Amerikanische Revolution, den Bürgerkrieg und die Bürgerrechtsbewegung, und hebt hervor, wie jedes im Laufe der Zeit neu interpretiert wurde, oft zum Nachteil marginalisierter Stimmen.
Umstrittene Behauptungen zu Jefferson
Ein besonders umstrittener Abschnitt behandelt Jeffersons Beziehung zu Sally Hemings. Gage schreibt, dass DNA‑Tests bewiesen hätten, Jefferson habe mindestens sechs Kinder mit Hemings gezeugt, die die Halbschwester seiner verstorbenen Ehefrau Martha war. In Wirklichkeit zeigten die Tests lediglich, dass ein Nachkomme eines von Hemings' Kindern das Y‑Chromosom Jeffersons teilte; sie identifizieren Thomas Jefferson nicht eindeutig als Vater. Andere männliche Verwandte, darunter sein Bruder Randolph, lebten in der Nähe und könnten ebenfalls verantwortlich sein.
Lücken in der Repräsentation
Während die Erzählung umfassend ist, lässt sie eine Diskussion über schwule und trans Personen vermissen, was Fragen zur Inklusivität des dargestellten historischen Registers aufwirft. Gages Fokus bleibt auf den breiteren Konturen der amerikanischen Erfahrung, doch das Fehlen von LGBTQ+-Perspektiven ist ein klarer Mangel.
Warum das Buch wichtig ist
Für Leserinnen und Leser in den Vereinigten Staaten dient das Werk als rechtzeitige Erinnerung, sich mit der Vergangenheit des Landes differenziert auseinanderzusetzen, und fordert zu kritischer Reflexion darüber auf, wie Geschichte für die Öffentlichkeit aufbereitet wird. Kanadische Leser erhalten gleichzeitig Einblicke in die verflochtenen Geschichten der beiden Nachbarn und werden angeregt, darüber nachzudenken, wie ähnliche Verzerrungen in ihren eigenen Erzählungen wirken könnten.
Das Buch argumentiert letztlich für die Bewahrung und Interpretation historischer Stätten in einer Weise, die sowohl genau als auch inklusiv ist und die volle Vielfalt der amerikanischen Erfahrung widerspiegelt. Zwar sind einige faktische Ungenauigkeiten und Auslassungen erkennbar, doch Gages Road‑Trip‑Erzählung gelingt es, zum Nachdenken darüber anzuregen, wie Geschichte weiterhin die Gegenwart prägt.
Der folgende Bericht stützt sich auf einen zuerst anderswo veröffentlichten Bericht.
